Montag, 22. Januar 2007

Demo gegen die WAA in Wangershausen am 23. Januar 1982

Zu diesem Thema ist alles Tot, schrieb ich die Tage noch, aber es wird in Erinnerung gebracht:

Von Manuel Zimmermann

Wie viele werden es sein?" Der Polizist wollte eine Zahl in das Formular eintragen. Da stand ich nun und wollte mit Willi Hofmann für die Bürgerinitiative Umweltschutz Frankenberg (BIUF) unsere erste Demonstration gegen die WAA anmelden. Als ihr Sprecher sollte ich das wissen.

Na gut, in den vergangenen sechs Wochen hatten die Naturwissenschaftler Gerhard Kalden und Kurt-Willi Julius mit ihren ungezählten Informationsveranstaltungen "Was ist eine WAA?" in allen Dorfgemeinschafts- und Gasthäusern immer volle Säle gehabt. Und stets ergaben sich dabei einhellige Voten gegen die Plutoniumfabrik.

Etliche Ortsbeiräte und sogar der Stadtrat von Hallenberg hatten eindeutige Beschlüsse gegen die WAA gefasst. Die professionell gestalteten Info-Blätter der Bürgerinitiative Umweltschutz Frankenberg (BIUF ) wurden in Vereinen und Familien heftig diskutiert.

In rappelvollen "Pro-und-Kontra-WAA"-Versammlungen, etwa in Sachsenberg oder Röddenau, waren aus Wiesbaden angereiste Politiker wie auch Experten von sachkundigen Landwirten oder Hausfrauen ausgelacht worden, wenn sie wortreich die Harmlosigkeit der WAA beteuerten. Denn wie wollten sie die Freilassung des tödlichen Plutoniums mit den 24 000 Jahren Halbwertszeit aus den Brennstäben verantworten? Und wozu ein 200 Meter hoher Schornstein?

Tausende von Unterschriften gab es schon auf den Protestlisten. Über ein Dutzend weitere Bürgerinitiativen hatten sich zwar bereits gebildet. Aber würden bei dem angesagten üblen Schneematschwetter wohl viele kommen? Also antwortete ich vorsichtig: "500".

Im Koordinationskreis der "Bürgerinitiativen rings um Wangershausen" hatten wir uns sorgfältig vorbereitet. Trotz Bedenken aus Kreisen von Geschäftsleuten und Polizei – man hatte die frischen Bilder von den gewalttätigen Konfrontationen um die Startbahn West am Frankfurter Flughafen wohl im Kopf – sollte der Zug durch die Fußgängerzone zum Obermarkt führen. Die groteske Auflage, derzufolge der Rentner Willi Hofmann als Versammlungsleiter für alle eventuell dabei sich ereignenden Schadensfälle aufkommen solle, hatten wir per Verwaltungsgericht ausgehebelt.

An der Ecke Friedrichstraße/Marburger Straße stellte sich die Zugspitze auf. Von der nahen Post brachte mir ein Postler Solidaritäts-Telegramme aus allen Teilen der Republik.

Die gelben Ortsschilder wie "Haine gegen WAA" wurden immer mehr. Viele Orte schienen entvölkert zu sein, so viele nahmen an der Demo teil. Dann durch die Fußgängerzone der unglaublich lange Zug. Auf dem Obermarkt gab es ein solidarisches Gedränge von zirka 10 000 Menschen. "In Frankenberg mit der Fachwerkkulisse haben auch Demos Lebensqualität", bemerkte einer vom Fernsehen. 

Quelle: Interconnectednetwork