Die Allgemeinheit soll für dumm verkauft werden
Fast auf den Tag genau vor 27 Jahren gab die damalige hessische Landesregierung bekannt, in Frankenberg-Wangershausen eine so genannte Wiederaufarbeitungsanlage für atomare Brennstäbe (WAA) errichten zu lassen.
Die Menschen in 31 Bürgerinitiativen rund um Wangershausen, deren Sprecher ich sein durfte, hatten sich selbst schlau gemacht und leisteten Widerstand. Die SPD verlor daraufhin im Herbst ‚82 ihre Mehrheit im Landtag, die auch heute noch uneinsichtigste Verfechterin der Atomenergie, die FDP, bekam keinen Sitz. Im Jahr darauf gab es in Wiesbaden die erste rot-grüne Koalition und Franz-Josef Strauß glaubte, die WAA in Wackersdorf unterbringen zu können. Sein Argument: Die WAA sei „so sicher wie eine Fahrradspeichenfabrik“. Das Ergebnis ist bekannt.
Wieder einmal soll die Allgemeinheit für dumm verkauft werden. Es geht nämlich nicht nur um das AKW Krümmel oder um die Zuverlässigkeit des Betreibers Vattenfall. Die bequeme Hoffnung auf die Fortsetzung der – mit Steuergeldern gestützten – immensen Profite verklebt den Verantwortlichen das Gehirn. Der verniedlichende Begriff „Panne“ bezeichnet in solchen Fällen doch keinen Plattfuß am Fahrrad!
Es geht nämlich auch um unbequeme Tatsachen: Die Erzeugung von Atomstrom ist und bleibt eine Dampfmaschinen-Technologie, allerdings mit letztlich völlig unbeherrschbaren Risiken. Die Naturgesetze sind kompromisslos und lassen sich auch nicht demokratisch verbrämen oder gar rechtfertigen. Atomenergie ist Teufelskram. Da hilft kein Etikettenschwindel. Plutonium zum Beispiel, der Stoff der Hiroschima-Bombe, entsteht erst in den Brennstäben der AKWs und hat eine Halbwertszeit von 24 000 Jahren. Eine Wahlperiode dauert bekanntlich vier Jahre. Daher kommt auch die Kurzsichtigkeit der meisten politisch Handelnden.
Und Herr Clement, der von der SPD-Spitze zum Energiekonzern RWE wechselte, handelt nur im Interesse seines Brotherrn, wenn er die erneute Diskussion über den Atomausstieg möglichst schnell vor der kommenden Bundestagswahl abwürgen will.
Quelle: HNA-Blog
