Stellungnahme Bündnis 90/ Die Grünen Bad Wildungen

Man möchte, sozusagen mit sämtlichen Anrainern der gedachten Bundesfernstrasse in ein „Horn" blasen und ein einheitliches Auftreten mittels vorliegender Resolution den übergeordneten Behörden beim Bundesministerium ein deutliches Signal für einen Neubau und Lückenschluss geben. Das ist sicherlich eine schöne Idee, wenn es zu dieser Bundesfernstrasse, bzw. zu fast jedem Straßen-Neu-Bau nicht auch viele Wenn‘s und Aber's geben würde.

Für jedes positive Argument lassen sich mindestens genauso viele negative Argumente finden, diese oder andere Autobahnen nicht zu bauen. Positiv wäre sicherlich, dass der Landkreis damit einen Autobahnanschluss erhält und somit an das bundesweit verzweigte Fernstraßennetz angeschlossen wäre. Die vermeintlich positiven Aspekte für die heimische Wirtschaft kann ich nicht beurteilen, denn schließlich wird schon seit mehreren Jahrzehnten ohne Autobahnanschluss hier produziert, aber dennoch mag wahrscheinlich der eine oder andere Industriezweig davon profitieren. Zweischneidig wäre das Ganze für die Anlieger mancher Bundesstrassen. Da gäbe es Gewinner und Verlierer. Gewinnen würden die arg gebeutelten Anlieger der Bundesstrassen 62 und 508 auf NRW- Seite, die durch das Wittgensteiner Land führen. Verlieren würden die Anlieger der Bundesstrasse 253, denn diese würde sicherlich stärker mit Schwerlastverkehr belastet. WARUM? Mancher LKW- Fahrer würde, um sich den Bogen über Alsfeld und natürlich die Mautgebühr zu ersparen, den direkten Weg von der A7 oder A49 Richtung Westen nehmen, und das ist die B253, umgekehrt natürlich genauso.

Auf der hessischen Seite käme es bestenfalls zu einer Entlastung auf der B 254 von Alsfeld Richtung Schwalmstadt, oder im Falle erd Südtangente von der B 62 von Alsfeld Richtung Marburg. An alternative Lösungen, wie entsprechende Umgestaltungen mittels Fahrbahnverbreiterungen oder den teilweisen Ausbau als 3-spurige Bundesstrasse, natürlich mit den dazugehörenden Umgehungsstrassen mag sicherlich keiner mehr denken, wenn die Frohlockungen einer Bundesautobahn auf dem Tablett stehen.

Auch die in der Resolution genannten positiven Auswirkungen auf das Tourismusgeschäft sind ebenfalls nur vorsichtig abzuschätzen, denn eine Autobahn hat mit naturnahem Tourismus eher wenig gemeinsam. Kommen wir damit gleich zu den negativen Argumenten. Zum einen nennt die Resolution selbst einen negativen Aspekt, der eben NICHT für den Lückenschluss der A4 spricht.
Zitat: „Alternativen im schienengebundenen Verkehr sind in Waldeck-Frankenberg nicht oder nur vereinzelt vorhanden." Zitat Ende.

Hallo, meine Damen und Herren, wo sind wir eigentlich?

Da wird ständig über die Kurhessen-Bahn gestritten, diese in Frage gestellt und der öffentliche Nah und Fernverkehr permanent untergraben, abgebaut oder unattraktiv gemacht.
Was glauben Sie, was mit der Bahn passiert, wenn wir immer mehr neue Autobahnen bauen?

Die Antworten hat uns der Bund, die Länder und letztendlich die Verkehrsverbünde schon mehrmals schonungslos vorgetragen, Sie kennen sie.

Zitat: „ Neben dem rein verkehrswirtschaftlichen Aspekt für die überregionalen Verkehrsströme muss auch der Struktur und Regionalpolitische Aspekt in eine (Achtung) in eine KOSTEN-NUTZEN¬BETRACHTUNG einer neu zu bauenden Bundesfernstrasse einbezogen werden." Zitat Ende.

Eine Kosten-Nutzen-Betrachtung, wie mag die wohl Aussehen?

Was kostet ein Kilometer Autobahn??

Und was kostet im Gegensatz dazu eine Attraktivierung der Bahnverbindung Richtung Westen?

Stampft man nicht gerade die Querverbindungen KS—Ruhrgebiet, KS—nördliches Westfalen und Niedersachsen, MR—Ruhrgebiet, MR—Richtung Norden und ganz zu schweigen von unseren eigenen Bahnverbindungen ein??

oder hält den Bestand nur solange aufrecht, bis man neue Strassen gebaut hat?

Wofür das Alles??

Bei einer Kosten-Nutzen-Betrachtung kann die neue Autobahn nicht gewinnen, wenn man den Aspekten des ÖPNV und der Bahn mehr Gewicht verleihen würde.

Nächstes selbst genanntes negatives Argument. Der Bau einer rund 35 bis 40 Meter breiten Trasse bleibt aus naturschutzfachlichen Belangen bedenkenlos?

Wer und für Wen schreibt da eigentlich die Gutachten??

Eingriffe in Landschaftsgefüge waren unseres Wissens nach noch NIE konsequenzlos für irgendjemand oder irgendetwas! Und immer mehr Strassen für immer mehr LKWs ?

Das ist schon lange kein Entlastungsargument für Strassen bzw. Autobahnbau, sondern zeigt eher die Hilflosigkeit, mit der die Menschheit auf zukünftige Mobilitätsansprüche reagiert. CLEVERE Verkehrslösungen sind gefragt, und das fängt an beim Schwerlastverkehr, der nicht auf die Strasse gehört, sondern auf die nicht weiter abzubauende Bahn, und hört noch lange nicht auf bei Mitfahr-Zentralen.

Aber gut, das ist nicht Thema. Thema ist eine Resolution für den Lückenschluss der A4, und den können wir GRÜNE, wen wundert es, in dieser Form nicht mitgehen.

Solange die anderen, von mir genannten Probleme nicht gelöst sind, wird es mit uns keine NEUEN Autobahnen geben.