Überleben = Glückssache?

Wildtiere brauchen Wanderkorridore! Der BUND fordert die Verabschiedung und zügige Umsetzung des Bundesprogramms Wiedervernetzung

Überfahrener Wolf am Straßenrand, Foto: Wildbiologisches Büro LUPUS

Für uns Menschen sind Brücken und Tunnel ein unabdingbarer und selbstverständlicher Teil unserer Infrastruktur. Darauf, dass Wildtiere sichere Querungsmöglichkeiten über stark frequentierte Verkehrswege zum Überleben genauso dringend benötigen wie wir, wurde bisher wenig Rücksicht genommen.

Die Zerschneidung der Landschaft durch das Straßennetz gehört zu den Hauptproblemen des Naturschutzes in Deutschland. Wir müssen schleunigst handeln! Obwohl schon heute Deutschland mit rund 600.000 km eines der dichtesten Straßennetze der Welt hat, sollen bis 2015 noch einmal ca. 66 Mrd. Euro in den Ausbau des Verkehrswegenetzes investiert werden.

Statt die Zerschneidung und Zerstückelung der Landschaft durch solche Maßnahmen noch zu fördern, muss endlich die Wiedervernetzung zerschnittener Lebensräumen und die Schaffung von Wanderkorridoren für Wildtiere entschlossen vorangetrieben werden. Dazu ist Deutschland entsprechend der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt verpflichtet – als Ziel wird hier formuliert: "Bis 2020 gehen von den bestehenden Verkehrswegen in der Regel keine erheblichen Beeinträchtigungen des Biotopverbundsystems mehr aus. Die ökologische Durchlässigkeit von zerschnittenen Räumen ist erreicht".

"Bundesprogramm Wiedervernetzung" zügig verabschieden

Ein Schritt in die richtige Richtung ist die Entwicklung des "Bundesprogramms Wiedervernetzung" durch die Bundesregierung, welches im Koalitionsvertrag versprochen wurde. Im Rahmen dieses Bundesprogramms sollen zunächst die wichtigsten Konfliktpunkte an bestehenden Autobahnen und Bundesstraßen durch Querungshilfen wie Grünbrücken oder Unterführungen entschärft werden. Grundlage für die Standortfindung waren die Ergebnisse des Projekts "Lebensraumkorridore für Mensch und Natur" des Bundesamts für Naturschutz.

Grünbrücke über eine Autobahn, Foto: M. Strein

Der BUND fordert die Bundesregierung auf, das Bundesprogramm Wiedervernetzung zügig zu verabschieden, finanziell umfassend auszustatten und engagiert umzusetzen. Nur wenn der Lebensraumzerschneidung endlich Einhalt geboten und Wildtierkorridore geschaffen werden, haben Luchs, Wildkatze, Fischotter und viele andere bedrohte Arten bei uns eine Chance, langfristig zu überleben.

Der BUND bringt sich vielerorts engagiert für die Wiedervernetzung von Lebensräumen und den Biotopverbund ein. Ein Beispiel dafür ist das BUND-Projekt "Rettungsnetz Wildkatze". Ziel dieses Projektes ist es, ein deutschlandweites Netz aus Lebensraumkorridoren aufzubauen, welches der Wildkatze und vielen anderen Wildtieren wieder Wanderungen zwischen isolierten Lebensraumfragmenten ermöglicht.

Mehr Infos unter www.bund.net/wildkatze